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BMW S 1000 R oder S 1000 RR: Was der R fehlt, sieht man von aussen nicht

BMW S 1000 R oder S 1000 RR: Was der R fehlt, sieht man von aussen nicht

BMW S 1000 R oder S 1000 RR: Was der R fehlt, sieht man von aussen nicht

Von 50 auf 100 km/h braucht die BMW S 1000 R 3,6 Sekunden. Die S 1000 RR, 33 PS stärker, braucht 4,3. So gemessen im Vergleichstest 2014, mit den beiden Maschinen jenes Jahrgangs.

Das Nacktmodell hängt im Durchzug das Superbike ab.

Dieser Messwert passt schlecht zu dem, was man über das Paar zu hören bekommt. Die R sei eine RR ohne Verkleidung. Die RR sei auf der Landstrasse unfahrbar. Die R habe mehr Druck von unten. Die R sei die bequeme von beiden. Vier solche Sätze lassen sich an Messwerten, Werksangaben und der Erfahrung aus vielen Kilometern prüfen. Keiner übersteht das unbeschadet.

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„Die R ist eine RR ohne Verkleidung“: der Ventiltrieb widerspricht

Ohne Verkleidung ist die R, das stimmt, aber im Ventiltrieb fehlt ihr mehr als Plastik: Die RR hat seit 2019 ShiftCam, eine variable Ventilsteuerung, die bei 9’000/min innert 10 Millisekunden umschaltet. Die R hat diese Technik nie bekommen, in keiner Generation.

Die Verwandtschaft ist trotzdem echt. Die BMW S 1000 RR kam 2009, die R folgte 2014 mit demselben Motor als Grundlage, und die R von 2021 basiert auf dem Triebwerk der RR von 2019, Rahmen und Schwinge sind von ihr abgeleitet. Nur heisst gleicher Block nicht gleicher Motor. Die aktuelle R leistet 170 PS bei 11’000/min und verdichtet 12,5:1. Die RR kommt auf 210 PS bei 13’750/min und verdichtet 13,3:1. Dazwischen liegen 40 PS und 2’750 Touren.

Warum die R ohne ShiftCam auskommt, begründet BMW nicht. Bekannt ist, wozu die Technik dient: Sie gibt der RR mehr Drehmoment unten und in der Mitte und zugleich mehr Spitzenleistung. Die R bekam stattdessen eigene, auf ihren Einsatz abgestimmte Nockenprofile, und BMW übersetzte 2021 die Gänge vier bis sechs länger. Im sechsten Gang drehte der Motor bei 100 km/h rund 300/min tiefer als beim Vorgänger.

Urteil: stimmt nicht.

Die R ist kein abgerüstetes Superbike. Sie ist ein Motor, den BMW absichtlich anders ausgelegt hat.

S 1000 R (Modelljahr 2025/26) S 1000 RR (Modelljahr 2025)
Leistung 170 PS / 125 kW bei 11’000/min 210 PS / 154 kW bei 13’750/min
Drehmoment 114 Nm bei 9’250/min 113 Nm bei 11’000/min
ShiftCam nein ja
Verdichtung 12,5:1 13,3:1
Gewicht fahrfertig, vollgetankt 199 kg 198 kg
Sitzhöhe 830 mm (810 oder 850 mm mit anderer Sitzbank) 832 mm
Radstand 1’447 mm 1’457 mm
Lenkkopfwinkel 65,8° 66,4°
Höchstgeschwindigkeit (Werk) über 200 km/h 303 km/h

Am nächsten kommt dem Töfftreff-Satz übrigens ein anderes Modell: die M 1000 R. Sie trägt den Motor der RR samt ShiftCam, leistet 210 PS und hat Winglets.

Mehr Druck von unten? Gemessen ja, seit ShiftCam offen

Den Druck von unten belegt zuerst das Drehmoment: Die R erreicht ihre 114 Nm bei 9’250/min, die RR ihre 113 Nm erst bei 11’000/min. Gleich viel Kraft, nur 1’750 Touren früher.

Im Vergleichstest 2014 zeigte sich das auf der Stoppuhr. Nach dem Sprint von 50 auf 100 km/h lag die R auch von 100 auf 150 km/h vorn, 3,6 gegen 4,0 Sekunden. Darüber kippte das Bild. Von 0 auf 200 km/h brauchte die RR 7,2 Sekunden und die R 8,1, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 299 gegen 258 km/h, und auf der Rennstrecke von Alcarràs war die RR 1,86 Sekunden pro Runde schneller. Gemessen wurde das an einer RR mit 193 PS und ohne ShiftCam und an einer R mit 160 PS. Auf die heutigen Jahrgänge lassen sich diese Zeiten nicht übertragen.

Denn mit ShiftCam hat sich die RR in der Mitte verändert. BMW selbst schrieb 2019, der neue RR-Motor biete unten und in der Mitte nun das Drehmoment des bisherigen R-Motors. Für die Generation ab 2019 nennt BMW mindestens 100 Nm von 5’500 bis 14’500/min. Für die R ab 2021 sind es mindestens 90 Nm von 5’500 bis 12’000/min, dazu über 80 Nm schon ab 3’000/min. Nach Werksangabe liegt die Untergrenze der RR im mittleren Bereich damit höher als jene der R. Eine Durchzugsmessung der beiden aktuellen Generationen gegeneinander, die das entscheiden würde, kennen wir nicht.

Urteil: stimmt halb. Für die Jahrgänge um 2014 ist der Vorsprung der R gemessen. Für alles ab ShiftCam bleibt ihr sicher nur der frühere Drehmomentgipfel.

„Auf der Landstrasse unfahrbar“ und trotzdem auf 2’000-Meilen-Reisen

Unfahrbar ist ein grosses Wort für einen Töff, mit dem ein britisches Testteam in einem Monat fast 2’000 Meilen fuhr, darunter eine Tour zu zweit durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Frankreich. Das Urteil zur aktuellen S 1000 RR: für den Fahrer beeindruckend bequem, für die Mitfahrerin kaum. Ähnliches berichten Besitzer schon von der ersten Generation, also noch vor der überarbeiteten Ergonomie von 2019: Reisen von über 2’000 Meilen, rund fünf Stunden im Sattel pro Tag und ohne Beschwerden.

Die Messlatte von 2014 stützt das. Beim Windschutz bekam die RR 5 von 10 Punkten, die R 2. Mit der Generation 2019 wurde die Sitzposition kompakter und aktiver, und sie ist besser, als die Stummellenker vermuten lassen. Die Scheibe des Jahrgangs 2025 schützt gut, sobald du dich klein machst.

Was am Satz dran ist, betrifft das langsame Fahren. Bei gemächlichem Tempo lastet das Gewicht auf den Handgelenken, unterhalb von etwa 140 km/h spüren es manche auch im Rücken. Zwischen 6’000 und 9’000/min vibriert der Motor am aktuellen Modell spürbar. Und das Urteil des Vergleichstests 2014 lautete: Einen reinen Landstrassenvergleich gewänne die R, den Mischbetrieb aus Rennstrecke und Strasse die RR.

Urteil: stimmt nicht.

Anstrengend wird die RR nicht bei Tempo, sondern beim Bummeln.

BMW S 1000 RR am Lager:

Die bequeme von beiden gibt es nur zur Hälfte

Bequem wirkt die S 1000 R vor allem neben der RR, doch im Vergleichstest 2014 bekamen beide für die Sitzposition dieselbe Note: 8 von 10. Der Lenker der R ist breiter, der Oberkörper aufrechter. Nach vorn gebeugt sitzt du trotzdem.

Mit der Generation 2021 ist die R sogar sportlicher geworden. Die Sitzhöhe stieg von 814 auf 830 mm, der Rahmen wurde im Kniebereich bis zu 3 cm schmaler, der Fahrer rückte rund 15 mm nach vorn. Wer von einer RR auf diese R umsteigt, also Stummellenker gewohnt ist, nennt die Haltung noch immer sehr sportlich und merkt nach rund 200 Kilometern die Handgelenke.

Das lässt sich entschärfen. Mit 15 mm Lenkererhöhung, nach vorn gedrehtem Lenker und höherer Sitzbank sind auch für sehr grosse Fahrer Etappen über 200 Kilometer kein Problem. Was sich nicht entschärfen lässt, ist der Wind: 2 von 10 Punkten. Auch der Sozius sitzt auf der R auf Dauer unbequem.

Urteil: stimmt halb. Aufrechter ja, bequem im Sinn eines Tourers nein.

Deine Hausstrecke entscheidet, nicht das Datenblatt

Auf der Hausstrecke zählt der Durchzug aus mittlerem Tempo, und genau dort war die R im Vergleichstest 2014 die schnellere. Fährst du Landstrasse und hast nur einen Töff in der Garage, nimm die R. Ihr Drehmoment kommt früher, und für hohes Dauertempo fehlt ihr ohnehin die Scheibe.

Fährst du regelmässig auf die Rennstrecke und suchst dort die schnellen Passagen, nimm die RR. Der Rundenvorsprung von 2014 und die 40 PS mehr oben sprechen für sie, und die aktuelle Generation ist zugänglich genug für Einsteiger am Trackday. Dasselbe gilt, wenn du lange Etappen zügig fährst und dich hinter eine Scheibe ducken willst.

Eine Einschränkung gehört dazu. Auf der engen Piste von Almería war 2015 bei einem Fahrtest die R die schnellere, weil Hobbyfahrer die RR nicht dauerhaft im Drehzahlbereich halten, in dem sie ihre Leistung abgibt. Wer nur selten auf die Rennstrecke geht, ist mit der R also nicht automatisch langsamer.

Fährst du oft zu zweit, passt keine der beiden wirklich. Und schwankst du nach alldem immer noch, klärt eine Probefahrt, was dein Körper von welcher Sitzposition hält.

BMW S 1000 R am Lager:

Welcher R-Jahrgang technisch zu welcher RR gehört

Der R-Jahrgang hinkt der RR in der Regel zwei Jahre hinterher: Die R von 2021 folgte auf die RR von 2019, das R-Update von 2017 auf jenes der RR von 2015. Wer gebraucht vergleicht, stellt deshalb besser gleiche Technikstände nebeneinander als gleiche Baujahre.

S 1000 R passende S 1000 RR Was sie verbindet
2014–2016, 160 PS 2012–2014, 193 PS im Vergleichstest 2014 gegeneinander gefahren
2017–2020, 165 PS 2015–2018, 199 PS gleicher Elektronikstand, Schaltassistent Pro als Option
2021–2024, 165 PS 2019–2022, 207 PS R-Triebwerk basiert auf dieser RR, aber ohne ShiftCam
ab 2025, 170 PS ab 2023, 210 PS beide seit 2025 mit Euro 5+

Für eine Occasion heisst das konkret: Eine R bis 2016 hat 160 PS, erst ab Modelljahr 2017 sind es 165. Bis 2020 schaut man auf einen analogen Drehzahlmesser mit LC-Display, das 6,5-Zoll-TFT kam 2021. Der Schaltassistent Pro war an der R von 2021 eine Option, und BMW Schweiz führt ihn auch beim aktuellen Modell unter Sonderausstattung; ob er verbaut ist, zeigt nur das einzelne Fahrzeug. ShiftCam gibt es nur in der RR, und dort erst ab 2019.

Beim Unterhalt liegen die beiden gleichauf. Das Ventilspiel wird nach BMW-Wartungsplan bei der R und bei der RR ab 2015 alle 30’000 km geprüft, der Ölwechsel ist jährlich oder alle 10’000 km fällig. Für die frühe RR von 2010 bis 2014 kursieren 24’000 und 30’000 km; massgeblich ist dort das Serviceheft der Maschine.

Zwei Rückrufe lohnen einen Blick ins Serviceheft. Für die RR aus dem Bauzeitraum Januar 2019 bis Juli 2026 läuft seit Sommer 2026 ein Rückruf wegen des Zündschlosses, weltweit rund 77’000 Maschinen: Die Software wird aktualisiert und das Schloss geprüft, kostenlos. Die R ist davon nicht betroffen. Für R und RR, die zwischen Mai und September 2022 gebaut wurden, gab es im Oktober 2022 einen Rückruf zur Verschraubung des Kupplungsdeckels. Ob eine Maschine betroffen ist, zeigt die Abfrage mit der Fahrgestellnummer bei BMW Motorrad.

So liegen die beiden bei uns im Preis:

BMW S 1000 R

  • Occasion ab: ab CHF 7.900

Technik, Baujahre und Kauftipps zur BMW S 1000 R.

BMW S 1000 RR

  • Neupreis: ab CHF 23.590
  • Occasion ab: ab CHF 11.900

Technik, Baujahre und Kauftipps zur BMW S 1000 RR.

Sechs Fragen, die vor der Entscheidung auftauchen

Hat die BMW S 1000 R ShiftCam?

Nein, in keiner Generation. Die variable Ventilsteuerung ShiftCam gibt es nur in der S 1000 RR ab 2019. Die S 1000 R von 2021 basiert auf dem Triebwerk dieser RR, kommt aber ohne die Umschaltung aus.

Bin ich zu gross für die S 1000 R?

Fahrer über 1,90 m fahren die S 1000 R, spüren ohne Anpassung aber einen engen Kniewinkel und nach rund 200 Kilometern die Handgelenke. Mit 15 mm Lenkererhöhung, nach vorn gedrehtem Lenker und höherer Sitzbank sind auch längere Etappen kein Problem.

Wie bequem ist die S 1000 RR wirklich?

Bequemer als ihr Ruf. Ein britisches Testteam fuhr die aktuelle RR in einem Monat fast 2’000 Meilen, auch zu zweit auf Tour, und lobte den Komfort für den Fahrer. Bei langsamer Fahrt lastet allerdings spürbar Gewicht auf den Handgelenken.

Kann man auf der S 1000 RR zu zweit fahren?

Die Erfahrungen reichen vom klaren Nein bis zur Mitfahrerin, die gern aufsteigt und sich nur am Höcker der Soziusbank stört. Für regelmässige Fahrten zu zweit taugt die RR nicht, und auch auf der R sitzt der Sozius auf Dauer unbequem.

Worauf achte ich bei einer gebrauchten S 1000 R?

Gepflegte Maschinen laufen 35’000 bis 37’000 Kilometer ohne grössere Probleme. Bekannt sind Einzelfälle wie eine Wasserpumpe bei 34’000 km. Prüfe, ob die Ventilspielkontrolle bei 30’000 km gemacht wurde, und achte auf Sturzspuren an Schwinge, Motordeckeln und Lack.

Kann ich die S 1000 R oder die S 1000 RR mit dem Ausweis A mit Leistungsbeschränkung fahren?

Nein. Laut BMW Motorrad Schweiz darf ein Motorrad, das auf 35 kW gedrosselt wird, offen höchstens 70 kW leisten. Die S 1000 R hat je nach Jahrgang 118 bis 125 kW, die S 1000 RR 142 bis 154 kW. Bei Moto Center Winterthur stehen beide nur offen im Angebot.

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