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Vespa Primavera 125 oder GTS 125: ein Tag, zwei Vespas, kein pauschaler Sieger

Vespa Primavera 125 oder GTS 125: ein Tag, zwei Vespas, kein pauschaler Sieger

Vespa Primavera 125 oder GTS 125: ein Tag, zwei Vespas, kein pauschaler Sieger

Die grosse Vespa hat das kleinere Helmfach. Unter der Sitzbank der GTS 125 findet ein Integralhelm keinen Platz. In der schlankeren Primavera 125 kommt dagegen je nach Aussenschale auch ein Integral- oder Klapphelm unter, mancher nur mit etwas Nachdruck. Eine feste Grenze nach Helmgrösse gibt es nicht.

Das ist mehr als eine Randnotiz, denn es kippt eine bequeme Rechnung: Die GTS ist grösser, stärker und teurer, also muss sie die bessere Vespa sein. Die ersten drei Wörter stimmen. Das vierte stimmt nur an bestimmten Stellen eines Tages, und an anderen stimmt das Gegenteil. Geh diesen Tag einmal mit beiden durch.

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Aus dem Veloständer: rund 20 Kilo, die du nicht schiebst

Aus dem Veloständer ziehst du bei der aktuellen Primavera 132 Kilo rückwärts, bei der GTS 150. Bei den Jahrgängen 2021 und 2022 waren es 126 gegen 147. Die Sitzhöhe hilft dir bei der Wahl nicht weiter, sie liegt bei beiden zwischen 785 und 790 Millimetern. Was du spürst, ist die Grösse: Die GTS ist elf Zentimeter länger und etwas breiter gebaut. Besitzer mit kurzen Beinen beschreiben die Primavera als die, auf der sie sicherer stehen; bei der GTS ist der Sattel seit dem Modelljahr 2023 vorn schmaler geschnitten. Probier beide im Stand aus.

Sobald beide rollen, schrumpft der Unterschied. Die Kilos merkst du fast nur im Schritttempo, beim Wenden in der Einfahrt, beim Einfädeln zwischen zwei parkierte Autos. Dort allerdings jeden Tag.

Gemeinsam ist beiden das Grundrezept: Piaggio baut sie mit selbsttragender Karosserie aus Stahlblech, Einarmschwinge vorn und 12-Zoll-Rädern.

Grün. Die ersten 150 Meter gehören der Leichteren

Auf den ersten 150 Metern nach Grün kann die Primavera mit 11 PS die GTS mit 14 PS hinter sich halten, erst danach holt die Schwerere auf. Der Grund steht im Datenblatt: 8,1 gegen 10,3 kW, aber eben auch rund 20 Kilo weniger Masse. Eine saubere Messreihe gibt es dazu nicht. Ein Schweizer Fachtest beschreibt aber dasselbe: Der Dreiventiler der Primavera wirke beim Ampelstart etwas kräftiger, die GTS habe oben heraus mehr Schnauf. Wer beide besitzt, nennt den Abstand im Stadtverkehr klein. Zwischen 60 und 70 km/h dreht das Bild. Dort zieht der Vierventiler der GTS spürbar kräftiger durch.

Drei PS mehr helfen wenig, solange sie rund zwanzig Kilo mehr in Bewegung setzen müssen.

Zwischen zwei Ampeln fehlt dir auf der Primavera also nichts. Die Werte, um die sich der Rest des Tages dreht, stehen hier nebeneinander.

Primavera 125 (Modelljahr 2024) GTS 125 (Modelljahr 2024)
Motor Einzylinder, 3 Ventile, 124 cm³ Einzylinder, 4 Ventile, 125 cm³
Kühlung Luft Flüssigkeit
Leistung 8,1 kW (11 PS) bei 7’750/min 10,3 kW (14 PS) bei 8’750/min
Drehmoment 10,7 Nm bei 6’250/min 12 Nm bei 6’750/min
Gewicht fahrfertig 132 kg (Modelljahre 2021–2023: 126 kg) 150 kg (Modelljahre 2021–2022: 147 kg)
Tank 8 Liter (Tech: 7,5) 7 Liter
Bremse hinten Trommel 140 mm (ab Modelljahr 2026: Scheibe 220 mm) Scheibe 220 mm
ABS / ASR ABS nur am Vorderrad, keine ASR Zweikanal-ABS und ASR
Federbeine hinten eines zwei
Höchstgeschwindigkeit (Typengenehmigung) 91 km/h 98 km/h

Zwölf Prozent Steigung und ein Ergebnis gegen die Erwartung

An einer Steigung von 12 Prozent, rund zwei Kilometer lang, lag eine Primavera am Ende hundert Meter vor einer GTS 125. Ehrlich gerechnet gehört dazu, dass diese GTS vom Baujahr 2018 war, aus den Jahren mit 9 kW statt der heutigen 10,3, und dass sie auf der Ebene 5 bis 10 km/h schneller lief. Trotzdem zeigt der Hang, was das Gewicht wert ist. Ein Bergroller wird aus der Primavera dadurch nicht: Mit 8,1 kW wünschst du dir bergauf gelegentlich ein paar PS mehr.

Bis hierhin fällt das Urteil eindeutig aus. Fährst du meist allein, in der Stadt und auf kurzen Überlandstücken, ist die Vespa Primavera 125 die richtige Wahl. Sie ist leichter, schmaler, hat das grössere Helmfach, und ihr luftgekühlter Dreiventiler kommt ohne Kühlkreislauf aus.

Vespa Primavera 125 am Lager:

Nasser Kreisel, harter Griff zur Bremse

Im Kreisel trennt die beiden die Bremse: Die Primavera verzögert bis und mit Modelljahr 2025 hinten mit einer 140-Millimeter-Trommel, erst seit dem Modelljahr 2026 mit einer Scheibe, und hat ABS in jedem Fall nur am Vorderrad. Die GTS trägt vorn und hinten 220-Millimeter-Scheiben, dazu Zweikanal-ABS und die abschaltbare Traktionskontrolle ASR. Bei der Primavera führt Piaggio keine ASR.

Seit dem Modelljahr 2023 kommt bei der GTS eine überarbeitete Vorderradaufhängung dazu, auf Kopfsteinpflaster ist das deutlich spürbar. Piaggio spricht von einem knapp zehn Prozent kürzeren Bremsweg; ein Schweizer Fachtest fand die Bremsen der 125er-GTS allerdings kaum anders als jene der Primavera. Die Primavera federt straffer, als es sich mancher wünscht. Dieser Punkt geht an die GTS, wegen ABS und ASR mehr als wegen des Bremswegs.

Tempo 80, das Ortsschild im Rückspiegel

Bei Tempo 80 hat die GTS noch Reserve bis zu den 98 km/h, die das Werk nennt; bei der Primavera sind es 91. Wer beide kennt, bestätigt diesen Abstand ungefähr. Spürbarer ist der Weg dorthin: Die Primavera erreicht ihre Spitze nur mit Anlauf und wirkt auf Schnellstrassen untermotorisiert. Die GTS läuft auf langen Geraden ruhiger und spurtreuer. Mit GPS gemessen erreicht sie je nach Fahrer und Scheibe 92 bis 101 km/h.

Auf die Autobahn dürfen beide, weil sie mehr als 80 km/h erreichen. Freude macht es mit keiner: An steileren Stücken kommen beide rasch an ihre Grenze.

Eine Überraschung hält die Überlandfahrt trotzdem bereit. Die Primavera fasst in der Standardversion 8 Liter, die GTS 7. Nach Werksverbrauch gerechnet sind das etwa 320 gegen 270 Kilometer.

Sobald hinten jemand aufsteigt

Hinten stützen bei der GTS zwei Federbeine das Heck, bei der Primavera eines. Dazu kommt Platz: Die GTS ist im Heck breiter, und seit dem Modelljahr 2023 ist der Bereich für die Sozia geräumiger geschnitten. Zu zweit zählen dann auch die 12 Nm und die stabilere Lage. Die Primavera schafft die Fahrt zu zweit auch, nur wird der Platz über Land knapp.

Ähnliches gilt für lange Fahrer. Bis gut 1,85 Meter sitzen Besitzer auf der Primavera bequem, darüber rücken die Knie näher ans Beinschild. Wo deine Grenze liegt, zeigt eine Probefahrt auf beiden schneller als jedes Massblatt.

Fährst du oft zu zweit, regelmässig längere Landstrassenetappen oder fehlt dir auf der Primavera der Platz für die Knie, nimm die Vespa GTS 125.

Die GTS ist nicht die bessere Vespa. Sie ist die richtige für die längere Strecke und den zweiten Sitzplatz.

Vespa GTS 125 am Lager:

Bei der GTS entscheidet das Baujahr über zwei PS

Das Baujahr bestimmt bei der GTS 125 die Leistung: Die Euro-4-Modelle der Modelljahre 2017 bis 2020 haben 9 kW, also 12 PS, seit Euro 5 ab Modelljahr 2021 sind es 10,3 kW und 14 PS. Die älteren Jahrgänge bis 2016 liegen laut Typengenehmigung bei 10,5 bis 11 kW. Keyless, ein neuer Sattel und die neue Vorderradaufhängung kamen mit dem Modelljahr 2023. Für GTS aus der Produktion Oktober 2018 bis Juli 2019 gab es 2020 einen Rückruf wegen der Anschlüsse der Bremsleitungen, ein zweiter folgte für die GTS-Reihe aus der Produktion 2020. Ob er erledigt ist, lässt sich über die Rahmennummer bei Piaggio prüfen.

Die Primavera ist gleichmässiger: Sie lag immer bei rund 8 kW, 7,9 bis Euro 4 und 8,1 seit Euro 5. ABS ist seit dem Euro-4-Modell Serie, die 12-Zoll-Räder kamen mit dem Modelljahr 2018, vorher waren es 11 Zoll. Das Modelljahr 2024 brachte ein neues Cockpit mit 3-Zoll-Display, LED-Licht rundum und neue Felgen, das Modelljahr 2026 die Scheibenbremse hinten und Keyless.

Ölwechsel alle 10’000 Kilometer bei beiden, der Riemen bei der Primavera doppelt so oft

Der Ölwechsel folgt bei beiden demselben Takt: erste Inspektion nach 1’000 Kilometern, danach alle 10’000 Kilometer oder zwölf Monate. Die Primavera hat dazwischen alle 5’000 Kilometer einen Kontrolltermin, und ihr Antriebsriemen und ihre Zündkerze werden alle 10’000 Kilometer ersetzt, bei der GTS erst alle 20’000. Dafür hat die GTS einen Kühlkreislauf, dessen Flüssigkeit alle zwei Jahre gewechselt wird. So steht es in den Betriebsanleitungen der Euro-5-Modelle von 2020; für das einzelne Fahrzeug gilt der Wartungsplan in seiner eigenen Anleitung.

So liegen die beiden bei uns im Preis:

Piaggio Vespa Primavera 125

Piaggio Vespa Primavera 125

  • Neupreis: ab CHF 5.290
  • Occasion ab: ab CHF 3.800

Technik, Baujahre und Kauftipps zur Vespa Primavera 125.

Piaggio Vespa GTS 125

Piaggio Vespa GTS 125

  • Neupreis: ab CHF 5.880
  • Occasion ab: ab CHF 4.500

Technik, Baujahre und Kauftipps zur Vespa GTS 125.

Wie stark ein Motorrad über die Jahre an Wert verliert und was das für den Preis einer Occasion heisst, zeigt unser Ratgeber zum Motorrad-Wertverlust.

Mit dem Autoausweis fehlen zwölf Stunden, keine Prüfung

Zwölf Stunden praktische Grundschulung trennen Autofahrer von einer 125er: Danach wird die Kategorie A1 ohne Theorie- und ohne praktische Prüfung eingetragen. Ohne diese Schulung berechtigt der Autoausweis der Kategorie B nicht zum Fahren einer 125er, auch ein älterer nicht. Beide Vespas gehören in die Kategorie A1: höchstens 125 cm³, höchstens 11 kW, ab 16 Jahren. Wie das abläuft, steht auf unserer Seite zum Motorradführerschein. Bist du noch gar nicht sicher, ob es eine Vespa wird, hilft unser Vergleich der 125er für den A1-Ausweis weiter.

Sechs Fragen, die vor der Entscheidung noch offen sind

Reichen die 11 PS der Vespa Primavera 125 für Fahrten zu zweit?

Für gelegentliche Fahrten zu zweit ja. Wer regelmässig zu zweit fährt, ist mit der GTS 125 besser bedient: Sie bietet mehr Platz, zwei Federbeine hinten und liegt stabiler. Als Faustregel gilt: überwiegend zu zweit die GTS, überwiegend allein die Primavera.

Rechtfertigt die Vespa GTS 125 den Aufpreis gegenüber der Primavera 125?

Die GTS 125 bietet dafür 10,3 statt 8,1 kW, mehr Platz auf der Sitzbank, Zweikanal-ABS und ASR; die Scheibenbremse hinten hat die Primavera erst seit dem Modelljahr 2026. In der Stadt ist davon wenig zu spüren, über Land und zu zweit deutlich mehr. Wer vor allem allein in der Stadt fährt, braucht den Aufpreis nicht.

Welche beschleunigt besser, die Vespa GTS 125 oder die Primavera 125?

Eine saubere Messung gibt es nicht. Beim Anfahren gleicht das geringere Gewicht der Primavera die drei PS weniger aus, zwischen 60 und 70 km/h beginnt die GTS kräftiger zu ziehen. Im Alltag ist der Unterschied klein.

Passt ein Integralhelm ins Helmfach der Vespa GTS 125 oder der Primavera 125?

In die GTS 125 passt kein Integralhelm; ein Jethelm passt laut Fachtest, einzelne Besitzer berichten aber von Jethelmen, die draussen bleiben. In die Primavera 125 passt ein Jethelm problemlos. Je nach Aussenschale kommt dort auch ein Integral- oder Klapphelm unter, teils nur mit Nachdruck; an der Helmgrösse allein lässt sich das nicht ablesen. Probier es mit deinem eigenen Helm aus.

Wie schnell fährt die Vespa GTS 125 wirklich?

Das Werk nennt 98 km/h. Mit GPS gemessen sind es 92 bis 101 km/h, je nach Fahrer und Scheibe. Der Tacho zeigt mehr an. Die Primavera 125 ist mit 91 km/h angegeben.

Ist die Vespa Primavera 125 beim Anfahren schwach?

Nein. Beim Ampelstart wirkt ihr Dreiventiler laut einem Schweizer Fachtest sogar etwas kräftiger als der Motor der GTS 125. Schwach wird sie oben heraus: Mehr als 91 km/h sind nicht drin, und die nur mit Anlauf. Auch steilere Passagen machen ihr zu schaffen.

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